Ginmon

Robo-Advisor Ginmon holt russischen Investor an Bord

Schon vor der Corona-Krise wurden mit den Russen erfolgreich verhandelt. Lars Reiner (re.) verwaltet mit Ginmon mehr als 100 Millionen Euro

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EUROPEAN PRESS GROUP

Der digitale Vermögensverwalter Ginmon hat einen neuen Investor gefunden. Der russische Finanzdienstleister und Broker BCS ist bei dem Fintech eingestiegen. Dieser habe bereits zwei Millionen Euro in das Start-up investiert. Nach Freigabe durch die Aufsichtsbehörden sollen weitere drei Millionen Euro folgen. Zusätzlich hätten auch die bisherigen Gesellschafter bereits eine Million Euro nachgelegt.

Die Konditionen für die Finanzierungsrunde sind laut Chef Lars Reiner bereits vor Ausbruch der Coronakrise verhandelt worden. „Wir sind froh, dass die Investoren in der Krise keinen Rückzieher gemacht haben, gerade jetzt bieten digitale Kanäle besondere Chancen“, sagt der Gründer. Ginmon ist einer von rund 30 Robo-Advisors in Deutschland und verwaltet nach eigenen Angaben aktuell ein Kundenvermögen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro.

Mit dem neuen Kapital solle insbesondere das Produktangebot verbreitert werden. „Vor allem im Bereich Altersvorsorge wollen wir uns weiterentwickeln und zum Beispiel das Risikomanagement noch besser an die Bedürfnisse älterer Kunden anpassen“, so Reiner. Auch der Kundenservice solle ausgebaut werden.

Bisher habe das 2014 gegründete Fintech in mehreren Etappen mehr als vier Millionen Euro vom Risikokapitalgeber Passion Capital und Privatinvestoren erhalten. Zu einer Finanzierung in zweistelliger Millionenhöhe, die Reiner Anfang 2017 angekündigt hatte, war es nicht gekommen. Die Runde fiel bedeutend kleiner aus. „Damals waren wir zu optimistisch und haben schon berichtet, bevor alle Verträge final unterschrieben waren, das ist nun anders“, sagt Reiner.

Dass deutsche Fintechs einen russischen Geldgeber an Bord holen, ist bisher eine Seltenheit. BCS habe Anlagestrategie und Algorithmus-Technik „gründlich durchleuchtet“, lässt sich Ilya Silaev, Digitalchef der BCS Financial Group, in einer Mitteilung des Fintechs zitieren. BCS wolle das Wachstum von Ginmon nachhaltig unterstützen.

Reiner sieht BCS dabei auch als strategischen Investor. „Wir werden nicht nur von dem Investment, sondern auch von seinem Know-How im Bereich Vermarktung profitieren“, sagt er. Die russische Herkunft sei dabei kein Problem. BCS sei unabhängig vom russischen Staat und nicht mit Sanktionen belegt.