Gutachten

PwC bewertet Audi fast doppelt so hoch wie BMW und Daimler

Mit der Bewertung liegt Audi deutlich über dem Börsenwert der Rivalen BMW (37 Milliarden Euro) und Daimler (rund 40 Milliarden Euro)

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GERMAN PRESS GROUP

Die VW-Tochter Audi ist wertvoller als die Rivalen BMW und Daimler. Das ist das Ergebnis eines Wertgutachtens der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag des Volkswagen-Konzerns, das die VW-Premiumtochter mit 66,7 Milliarden Euro bewertet.

Das Ergebnis ist überraschend. Mit der Bewertung liegt Audi deutlich über dem Börsenwert der Rivalen BMW (37 Milliarden Euro) und Daimler (rund 40 Milliarden Euro). Anders als Audi werden Daimler und BMW als Dax-Titel breit gehandelt. Audi-Aktien sind dagegen kaum im Markt. Eine Bewertung über die Börse ist bei einem Streubesitz von 0,4 Prozent nicht möglich.

Der ungewöhnliche Bewertungsprozess des fast vollständig von VW kontrollierten Autoherstellers aus Ingolstadt hat einen Grund: Volkswagen will auf der Hauptversammlung am 31. Juli die letzten verbliebenen Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen drängen.

Volkswagen hatte Audi 1971 zu 99,6 Prozent übernommen, die Kleinaktionäre aber im Unternehmen belassen. Für diese unterhält Audi nach wie vor die Transparenzkriterien eines börsennotierten Konzerns, dazu zählt die komplette Kapitalmarktkommunikation sowie die jährliche Hauptversammlung.

Mit dem jetzt geplanten „Squeeze-out“ der Kleinaktionäre muss Volkswagen zuvor per Gutachten den Unternehmenswert ermitteln, um eine Barabfindung anbieten zu können. Bei einer Bewertung von Audi mit 66,7 Milliarden Euro bietet Volkswagen jedem Kleinaktionär 1551,53 Euro pro Aktie.

Audi darf das Dokument aus rechtlichen Gründen vor der Hauptversammlung nicht kommentieren. Ein wesentlicher Bestandteil des „Übertragungsberichtes“ ist ein tiefer Einblick in die Absatz-, Umsatz- und Ergebnisplanung der kommenden fünf Jahre. Solche Details veröffentlichen Unternehmen sehr selten.

Audi geht in dem Bericht von erheblichen Folgen der Corona-Pandemie aus, die mindestens zwei Jahre das Geschäft beeinträchtigen werden. In diesem Jahr rechnet die VW-Tochter mit einem herben Absatzrückgang und dürfte mit 48 Milliarden Euro rund 7,6 Milliarden Euro weniger umsetzen als noch 2019. 2021 sollen die Umsätze wieder auf 58 Milliarden Euro steigen – das wäre aber weniger als bis vor Kurzem kalkuliert.

Grund sind die erwarteten schwächeren Verkäufe in Folge der Corona-Pandemie. Audi hat im zweiten Quartal fast ein Viertel seines Absatzes eingebüßt. Insgesamt lieferte Audi von April bis Juni 354.232 Fahrzeuge aus. Das ist ein Rückgang um 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Einbruch traf vor allem Europa, wo nicht einmal halb so viele Autos verkauft wurden wie im Vergleichszeitraum. In den USA sackten die Zahlen mit einem Minus von 35,3 Prozent ab. In China geht es allerdings schon wieder kräftig bergauf: Hier legte der Absatz um 23,5 Prozent zu.

Zuletzt verbesserte sich die Gesamtlage. Im Juni lagen die Absatzzahlen von Audi weltweit nur noch 8,1 Prozent hinter dem Wert des Vorjahresmonats zurück. „Ab dem Jahr 2023 sieht Audi die Absatzzahlen wieder auf dem ursprünglich geplanten Wachstumspfad“, heißt es in dem Bericht von PwC.

Diese strategische Planung für die kommenden Jahre hatte der Audi-Vorstand Anfang des Jahres in der sogenannten Planungsrunde 69 (PR69) festgelegt. Die VW-Premiumtochter, die seit 2017 mit rückläufigen Absätzen kämpft, will den Absatz bis 2025 von heute 1,8 Millionen Autos auf 2,5 Millionen Autos pro Jahr steigern.

Audi ist damit optimistischer als die Experten des renommierten Londoner Marktforschers IHS Markit, auf deren Einschätzung im Gutachten eingegangen wird. IHS Markit geht von einer schwächeren Absatzentwicklung aus. Danach verkauft Audi bis 2025 insgesamt eine Million Autos weniger als das Unternehmen selbst prognostiziert.

„Die Abweichung zwischen der Planung von Audi und der IHS Markit Prognose beruht insbesondere auf der unterschiedlichen Einschätzung der Strategie von Audi, den Gesamtabsatz durch neue Elektrofahrzeuge steigern zu wollen“, heißt es in dem Bericht. „Vor dem Hintergrund, dass die IHS Markit-Prognosen die Produktpolitik von Audi nicht vollständig erfassen, erachten wir die Absatzplanung von Audi insgesamt als herausfordernd, aber erreichbar.“

Geplant sind auch deutlich höhere Gewinne. Das operative Ergebnis soll von heute 4,5 Milliarden Euro auf rund sechs Milliarden Euro steigen. Der Absatzschub soll vor allem durch Elektroautos und SUVs, also Geländewagen, bewerkstelligt werden, die Ergebnisverbesserung durch Kosteneinsparungen wie dem bereits beschlossenen Abbau von 9500 Stellen. Zudem setzt Audi auf eine verstärkte Kooperation mit den Konzernschwestern Volkswagen und Porsche.

Vor dem Hintergrund der Coronakrise wurden diese Annahmen aber im Mai noch einmal revidiert. Audi geht in diesem Jahr von einem Absatz von 1,6 Millionen Autos aus, das wären rund 200.000 weniger als im vergangenen Jahr. Mit einem operativen Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro hält sich der Konzern noch in den schwarzen Zahlen.

Für die kommenden zwei Jahre hat der Vorstand um Audi-Chef Markus Duesmann in einer sogenannten „Overlayplanung“ seine Erwartungen noch einmal angepasst. „Insbesondere in der Vertriebsregion Amerika wird mit einem deutlichen Abschlag gerechnet“, heißt es mit Blick auf die schwer angeschlagene US-Wirtschaft. In China, wo Audi mittlerweile rund 40 Prozent seiner Autos verkauft, rechnet man hingegen mit einer günstigeren Entwicklung.

Dennoch verkauft Audi am Ende weniger Autos als bislang geplant und verdient auch weniger: 2021 soll das operative Ergebnis bei 4,2 Milliarden Euro liegen, statt wie geplant bei 5,3 Milliarden. 2022 sollen nur noch 300 Millionen Euro zur ursprünglichen Ergebnisplanung fehlen, 2023 wäre Audi dann bei Ergebnis und Absatzplanung wieder auf dem ursprünglichen Pfad.

Die Coronakrise trifft Audi wie die gesamte Autoindustrie in einem schwierigen Transformationsprozess. Die VW-Tochter hat nach dem Dieselskandal Boden gegenüber den Wettbewerbern Mercedes und BMW verloren, und auch der US-Elektropionier Tesla ist mit seinen Fabrikplänen im brandenburgischen Grünheide zu einem ernsten Rivalen geworden.

Als Antwort will Audi bis 2025 gut 30 Modelle mit Hybrid- oder reinem Stromantrieb auf den Markt bringen. Die neuen Modelle sollen gemeinsam mit den Konzernschwestern Porsche und Volkswagen entwickelt werden. Zusätzlich hat Audi die Federführung über die „Car.Software.Org“ übernommen, die für alle Konzernmarken ein einheitliches Betriebssystem entwickeln soll.

Umsetzen soll das Programm Duesmann. Der 51-Jährige ist von BMW zu Audi gewechselt und seit dem 1. April Vorstandschef in Ingolstadt.

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